Vor Jahren habe ich einen Aufkleber auf einer Stoßstange gelesen:
„Dies ist der erste Tag deines neuen Lebens. Erzähl das deiner Leber, erzähl das deiner Ex-Frau“.
Ja, leider müssen wir vielleicht eine Scheidung durchleben und mit den Folgen zurechtkommen, oder, vielleicht schlimmer noch, wir stecken in einer Beziehung fest, die richtig schlecht und zerstörerisch geworden ist, wir verlieren das Interesse an unserem Job, oder wir werden gefeuert oder wegbefördert. Eltern werden älter oder sind gestorben, Kinder sind erwachsen geworden und haben uns verlassen. Wir beginnen zu begreifen, dass wir nicht mehr auf dem Weg nach oben sind, sondern auf dem Weg nach unten, und dass die Welt kein Spielplatz voller Versprechen und Belohnungen mehr ist. Uns wird mit erschreckender Klarheit bewusst: Wenn wir Sinn und Glück in unserem Leben wollen, müssen wir selbst herausfinden, wie das geht – und das alles, während wir den ganzen Ballast der Jahre mit uns tragen.
Glückliche Menschen fragen nicht, was der Sinn ihres Lebens ist. Sehr ängstliche Menschen tun das auch nicht. Nur Menschen, die wirklich feststecken, stellen diese Frage. Wir wollen Aufmerksamkeit! Wir wollen attraktiv sein! Wir wollen Bewunderung, oder wenigstens Anerkennung! Wir wollen wichtig sein, oder wenigstens etwas bedeuten! Wir wollen Geld, und wenn wir Geld haben, wollen wir mehr Geld! Wir wollen Sinn! Wir wollen so viel, und wir bekommen so wenig, und je älter wir werden, desto weniger scheinen wir zu bekommen. Ich weiß, manche glücklichen Menschen scheinen damit mühelos zurechtzukommen oder dem sogar ganz zu entkommen. Ich war keiner von ihnen, und ich vermute, Sie sind auch keiner von ihnen – sonst würden Sie das hier nicht lesen.
Ich bin Psychologe, und ich bilde außerdem beruflich Divemaster aus. Über die Jahre habe ich beobachtet, dass ein bestimmter Typ Mensch bei mir auftaucht: Mitte 40 bis Mitte 50, auf dem Papier erfolgreich, aber innerlich ziemlich kaputt. Sie kommen nicht, um zu lernen, wie man im Tauchgeschäft arbeitet. Sie kommen, weil irgendetwas in ihrem Leben aufgehört hat zu funktionieren, und sie nicht wissen, was sie dagegen tun sollen – also haben sie einfach ein Ticket gekauft und sind tauchen gegangen.
Und es hat funktioniert!
Dieses Buch ist mein Plädoyer – die beste Erklärung, die ich habe – dafür, warum eine Divemaster-Ausbildung in Kombination mit etwas Grundlagenpsychologie eine der wirksamsten Methoden ist, um mit einer Lebenskrise umzugehen, und warum sie auch für Sie funktionieren könnte.
Nun, ich weiß genau, welche Plattitüden man Ihnen mitgegeben hat (falls Sie zu den Glücklichen gehören, die jemanden zum Reden haben) oder die Sie gelesen haben. Schauen wir mal:
Der Zähl-deine-Segnungen-Ansatz:
„Schau doch nur, was du alles noch hast!“
„Immerhin hast du deine Gesundheit“
„Deinen Kindern geht es gut“
„Die meisten Menschen haben weit weniger als du und würden im Nu mit dir tauschen.“
Der Sei-tapfer-Ansatz:
„Du kannst stolz sein auf das, was du erreicht hast! Konzentriere dich darauf!“
„Das Leben geht weiter. Was nützt es, der verschütteten Milch nachzuweinen? Weitermachen!“
„Geh auf eine Dating-Seite, such dir jemand Neues. Bleib nicht trauernd und allein zurück.“
Der Ansatz der magischen Lösung:
„Was du brauchst, ist eine Auszeit. Mach doch mal einen schönen Urlaub irgendwo.“
„Hol dir Hilfe. Ich kenne eine Freundin/einen Arzt/eine Psychologin/einen geistlichen Berater/eine Yogalehrerin/einen Wunderheiler/ Buddhistischen Meister, der wirklich gut ist“
„Kauf dir einfach schöne Klamotten, ein großes Auto, lass dich schönheitsoperieren und tu so, als wärst du wieder jung! Das Leben beginnt mit 40!“
Der Ansatz „streng, aber gut gemeint“:
„Na, wenn Sie das so empfinden, verkaufen Sie doch alles und werden Mönch.“
„Wissen Sie was, verbringen Sie etwas Zeit mit Menschen, die es wirklich schwer haben im Leben, und schauen Sie, ob Ihnen dann noch nach Klagen zumute ist.“
„Was hatten Sie denn erwartet, Liebe und Frieden und ewige Jugend und Glück? Werden Sie erwachsen!“
Kommt Ihnen bekannt vor? Bekannt, ja. Haben sie recht damit? Ja, das haben sie. Hat es geholfen? Nein, das hat es nicht. Warum also wirkt dieser Rat nicht, obwohl er doch gut gemeint ist? Weil er Ihnen nicht sagt, wie Sie das alles tun sollen. Wie sind Sie dankbar für Ihre Gesundheit, oder zufrieden mit dem, was Ihnen noch geblieben ist, rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag?
Wenn wir Sinn wollen, und Zweck, ein „Warum“, das uns motiviert, ein „Wie“ auszuhalten, dann müssen wir dieses „Warum“ selbst finden. Ein „Warum“ ist für die meisten Menschen mit Zwanzig leicht zu finden (Sex haben, eine Partnerin oder einen Partner finden, Kinder in die Welt setzen und alles, was dafür nötig ist). Ein „Warum“ zu finden, wenn man darin mit 35, 45, 55 oder was auch immer schon einigermaßen erfolgreich war, ist weitaus schwieriger. Was jetzt? Und wozu?
Eines ist sicher: Jünger werden Sie nicht mehr, und glücklicher werden Sie auch nicht, indem Sie einfach abwarten. Eines Ihrer Probleme ist: Sie glauben, Sie hätten noch Zeit, und Wichtigeres zu tun. Nun, die Friedhöfe sind voll von unersetzlichen Menschen, die dachten, sie hätten noch genug Zeit, um sich zu ändern. Es tut mir leid. Sie sollten Ihre Lage besser ernst nehmen und tun, was zu tun ist. Auch wenn Sie das ängstigt und andere verärgert. Sie vergeuden kostbare Zeit damit, unglücklich zu sein und auf ein Wunder zu warten.
Es gibt dieses berühmte Theaterstück, „Warten auf Godot“. Vielleicht kennen Sie es. Zwei Landstreicher, traurige Verlierer namens Wladimir und Estragon, stehen auf einer leeren Bühne. Sie reden darüber, wer sie sind (sie wissen es nicht, und sie erinnern sich nicht), und wie sie auf einen gewissen Herrn Godot warten. Sie sind sich nicht sicher, ob sie am richtigen Ort sind, oder am richtigen Tag, oder zur richtigen Zeit. Sie sind sich nicht sicher, wie dieser Herr Godot aussieht. Genaugenommen wissen sie nicht einmal, wer er ist. Wenn man es genau bedenkt, sind sie sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt mit ihm verabredet sind. Oder weshalb. Aber sie grübeln und grübeln miteinander und kommen immer wieder zum selben Schluss: am besten nichts tun und warten. Vielleicht taucht er ja auf. Und das geht so weiter und weiter und weiter und weiter:
Estragon: So kann ich nicht weitermachen.
Wladimir: Das denkst du.
Oder:
„Warum sind wir hier, das ist die Frage? Und wir sind darin gesegnet, dass wir zufällig die Antwort kennen. Ja, in dieser ungeheuren Verwirrung ist eines allein klar. Wir warten darauf, dass Godot kommt … Wir sind keine Heiligen, aber wir haben unsere Verabredung eingehalten.“
Und so weiter, und so weiter. Wenn man dieses Stück sieht oder liest, möchte man aufspringen und rufen: TU ETWAS. IRGENDETWAS. ES SPIELT KEINE ROLLE WAS. IRGENDETWAS.
Ich kenne etwas, das Sie tun können. Ich habe es immer wieder wirken sehen. Aber schauen wir uns zunächst an, was Sie überhaupt brauchen, um aus der Sackgasse herauszukommen.